Mein Weg vom Beamtentun in die Selbstständigkeit

Heute erzähle ich euch mal die Geschichte von meinem Weg und hoffe, euch damit ein bisschen Mut zu machen. Mut, euer Leben in die eigenen Hände zu nehmen und euch nicht als den Umständen Ausgelieferte zu betrachten.

Die Kindesträume

Als ich Kind und sagen wir mal Heranwachsender war, wollte ich alles mögliche werden. Mein erster Wunsch war Erzieherin. Das fand ich damals eine schöne Vorstellung, war aber ja auch noch zu DDR-Zeiten;-)

Später wollte ich mal Architekt werden und dann „was mit Computern“ und in der 10. Klasse Bio-Chemiker. Was für ne Kombi denkst du jetzt vielleicht. Aber ich kann mich noch gut an die Worte meiner Mutter erinnern „IT gibt es doch schon so viel, da gibt es keinen Bedarf“. Das war Mitte/Ende der 90er. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Damals, als wir überhaupt noch keine Vorstellung hatten, was es mal alles geben könnte, die Handys noch ne halbe Tonne wogen und Internet irgend ein abstrakter Begrifff war… Und Bio-Chemiker – ja, klang irgendwie cool in der Beschreibung in der Berufsberatung. Damals sind wir nämlich noch zum Arbeitsamt gefahren und haben in langweiligen Ordnern geblättert. Da konnte man nicht einfach mal schnell Onkel Google fragen. Und man konnte sich ja auch nur das erzählen lassen, was die Leute, die einen beraten haben, selbst kannten. Und der Landkreis Gotha im beschaulichen Thüringen ist jetzt nicht unbedingt dafür bekannt, wirtschaftlicher oder intellektueller Vorreiter in irgendwas zu sein… Jedenfalls schien dann Mathe-Biologie-Leistungskurs die beste, wenn auch schwerste Wahl in der Oberstufe zu sein und so kam es dann auch.

Naja, alles egal mittlerweile. Man soll nicht mit Dingen hadern, die man nicht mehr ändern kann. Mein 1er-Abi habe ich trotzdem und geschadet hat es wahrscheinlich auch nicht. Irgendwann ging es ja jedenfalls mal drum, was ich wirklich machen soll. Ja, man muss schon „soll“ sagen. Denn irgendwie war ich nicht in der Position, wirklich was zu entscheiden. Es stand nicht mal zur Debatte, dass ich wirklich studiere – also an einer Uni oder so -, denn Unterstützung hätte ich nicht bekommen. Also musste eine praktikable Lösung her.

Wie man Lebenszeit-Beamter wird

Eines Tages brachte meine Mutter die Idee des dualen Studiums mit. Klang ganz vernünftig und die Aussicht, beizeiten gutes Geld zu verdienen hatte was. Also gesagt getan. Ich habe mich auf alle möglichen dualen Studiengänge mit Beamtenstatus beworben, u.a. auch bei der Deutschen Bundesbank bei der Zentrale in Frankfurt. Wenn schon, denn schon. Damals gab es noch rund 10.000 Bewerber pro Jahrgang und rund 15 Stellen. Lange Rede, kurzer Sinn. Ich war jedenfalls unter den Top 15 und konnte am 01.10.2000 in Frankfurt anfangen. Drei Jahre hat die Ausbildung gedauert und wer wollte, ist auch da schon einigermaßen rumgekommen. Das habe ich natürlich genutzt. Ich war in Leipzig, in Karlsruhe, in Stuttgart und natürlich in Frankfurt. Unsere Hochschule war in Hachenburg, im Westerwald. In einem ehemaligen Schloss. Das Studium hatte es in sich. Oh, wie hart war der Aufknall vom verwöhnten Einser-Kandidaten auf die 3er-Schiene. Was habe ich geheult, als ich mein 1. Zwischenzeugnis in den Händen hielt…

Gegen Ende des Studiums ging es dann darum, in welche Abteilung wir wollten. Ich wollte von Beginn an gerne in die Bankenaufsicht, aber da man nie dahin kam, wo man wollte, bin ich in „Internationale Beziehungen“ gelandet. War auch ok und meinem Englisch hat es nicht geschadet. Ich habe sogar einen zweiwöchigen Sprachkurs in Cambridge, England bekommen.

Bankenaufsicht

Nach etwa 15 Monaten habe ich mich dann intern beworben und konnte endlich in die Bankenaufsicht wechseln. Ich bin Prüferin für Ratingsysteme geworden, habe das gesamte Konzept mitentwickelt, die Ausbildung der Prüfer organisiert und war bei vielen Prüfungen selbst mit vor Ort. Ganz oft war ich in Berlin, aber auch in München, Hannover, Düsseldorf, im Allgäu, in Erfurt, in Bonn und so weiter. Ich war längst Beamte auf Lebenszeit, das wird man mit 21 automatisch und hatte mich über die Jahre zur Amtfrau (A11er-Stelle im gehobenenen Dienst) hochgearbeitet. Es war kein typischer Beamtenjob. Die Prüfertage waren lang, die Gespräche teilweise anstrengend und inhaltlich schwerwiegend. Die Themen waren teilweise höchst mathematisch und ich saß mit Abteilungsleitern und Chefs von großen Banken am Tisch. Eigentlich alles ganz aufregend und man kam viel rum. 2008  war ich sogar im Krisenstab als die Finanzkrise ausbrach.

Wieso man trotzdem kündigt

Das klingt doch alles ganz spannend, denkst Du dir vielleicht. Ja, war es wahrscheinlich auch. Und heute sehe ich viele Dinge, die ich damals nicht gesehen habe. Beamtentum ist verlässlich. Das stimmt. Um 7 Uhr kommen, 15:42 Uhr gehen, wenn man will. Jede Minute extra ist jede Minute extra. Das Geld kommt pünktlich am Monatsersten. Aber es ist nicht so viel, wie immer alle denken. Die Besoldungstabellen sind bundesweit gleich und gelten für Polizisten, Soldaten und Schreibtischtäter im Wesentlichen gleich. Ich hatte zuletzt knapp 2.100 EUR netto, da gingen dann noch rund 250 EUR Krankenkasse ab. Ok, aber auch nicht wirklich viel. Und wir hatten auch nur 26 Tage Urlaub. Ich muss also auch mal die Beamten ein wenig in Schutz nehmen. Mein damaliger Freund z.B. war Soldat und auch A11, er hatte genauso viel Geld wie ich, aber die Verantwortung für über 250 Leute. Das macht in der freien Wirtschaft keiner mit. Also auch immer ein bisschen aufpassen, wenn man auf die „fetten Beamtengehälter“ schimpft. Viele sind sogar nur im mittleren Dienst und haben vielleicht 1.500 EUR netto… Beamtengehälter haben überwiegend nichts mit Politiker-Gehältern in Berlin zu tun…

Naja, um wieder auf den Punkt zu kommen. Auch wenn der Job vielleicht nicht so schrecklich war, war ich totunglücklich. Ich bin jedes Wochenende von Frankfurt nach Thüringen gependelt und wieder zurück. Meist 4 Stunden eine Tour… Ich hatte keinen Anschluss in Frankfurt und wollte einfach nur weg. Ich war so richtig schön drin in der Negativ-Spirale. Konnte mich ganz wunderbar auf alle die schrecklichen Dinge konzentrieren und mich als armes, einsames Opfer sehen. Ok, mittlerweile weiß ich, dass es an mir lag und ich alle Möglichkeiten gehabt hätte, aber damals war ich noch nicht so weit. Ich habe noch ein Fernstudium in Kur- und Regionaltourismus angefangen und abgeschlossen. Das war ein Kompromiss aus „es soll nicht ewig dauern“ und „was sein, was mich interessiert“. Ich liebe halt das Reisen und meine Eltern haben einen Gasthof, wo ich jedes Wochenende geholfen habe…

Die RückkehrDer Sprung ins kalte Wasser

Der Wunsch zurückzukehren wurde immer stärker. Ich habe mich dann monatelang auf alle möglichen Stellen in Thüringen beworben. Da waren Prüferstellen dabei, da hat sich die Stellenausschreibung wie mein Lebenslauf gelesen. Trotzdem bin ich nicht mal zum Vorstellungsgespräch eingeladen worden. All die Dinge, die ich heute weiß über Fokussierung, Gesetz der Anziehung und Selbstbewusstsein wusste ich damals noch nicht. Naja, jedenfalls habe ich auch eine Bewerbung an die Betriebsberatung des Hotel- und Gaststättenverbandes geschickt und wir kamen ins Gespräch. Es gab ein Projekt und jemand mit Bankerfahrung würde gut ins Team passen. Allerdings nicht als Angestellter, sondern als Geschäftsführer einer eigenen GmbH. Na das war ja ne Idee. Vom Beamtentun in die Selbstständigkeit. Und mit meiner reichlichen Lebenserfahrung mit knapp 28 Jahren, erfahrenen Beratern an der Seite (haha, kein einziger) und der Aussicht, Frankfurt endlich hinter mir zu lassen, habe ich es getan. Ich habe gekündigt und meine Beamtenurkunde zurück gegeben. Damit war ich raus. Ein für alle Mal. No way back. Ende Oktober 2009 war Schluss.

Ich bin nach Erfurt gezogen und es ging auch gleich los. Umzug, Wohnung einrichten, GmbH gründen und die ersten Aufträge abarbeiten. Ohne dieses Projekt im Rücken hätte ich es wahrscheinlich nie gemacht.

Die Selbstständigkeit

Ich hatte das Glück und musste mir am Anfang nie große Gedanken über Kundenavatare, Akquise, Marketing etc. machen. Durch den Verband und das Projekt im Rücken ging das alles quasi von selbst. Wir haben ausschließlich Hotels und Gaststätten beraten und mein Thema waren natürlich Finanzierungen und Fördermittel. Mit einem meiner Gesellschafter arbeite ich heute noch ganz eng zusammen und wer Hotels und Gaststätten kennt, die Beratungsbedarf haben – egal, ob Konzept, Controlling, Personal oder Finanzierung – kann sie gerne mal auf unsere Webseite schicken.

Mein Thema war und ist schon immer Geld gewesen und das passt auch absolut zu mir. Es macht mir Spaß und durch vielerlei eigene und fremde Erfahrungen kann ich dir sehr gut helfen, deinen eigenen Weg zu finden. Und es passt auch komischerweise zu meinem ursprünglichen Wünschen. Erzieherin bin ich ja trotzdem irgendwie – nur nicht klassisch, sondern Gelderzieherin. „Was mit Computern“ mache ich auch, weil mir die Onlinearbeit und Onlinemarketing ganz viel Spaß macht und auch Architekt bin ich, denn ich setze mit dir dein finanzielles Haus auf ein sicheres Fundament. Und die Biochemie? Naja, nicht im engsten Sinne, aber Persönlichkeitsentwicklung, Mindset, Selbstbewusstsein, Fokussierung etc. haben ja auch ganz viel mit Chemie zu tun und gerade wenn Du viel Stress hast, kann ich dir auch sehr gut helfen, die innere Balance wiederzufinden, denn Ernährung und Gesundheit sind ja neben Geld meine Lieblingsthemen.

Die LehreEs ist nie zu spät, das zu werden, was man hätte sein können.n

Tja, was lehrt uns das Ganze? Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Viele Wege entstehen einfach dadurch, dass man Sie geht. Ich sehe heute sehr viele Dinge anders als damals und gerade mein „Thüringen-Traum“ hat mich viel  gelehrt, nicht nur in positiver Hinsicht. Ich muss ein-, zweimal im Jahr einfach raus und Großstadt-Luft schnuppern. Oh wie geht mir manchmal die Hinterwäldlerei auf den Keks. Im Nachhinein betrachtet war vieles nicht so schlecht wie es mir damals schien und ist nicht so gut, wie es zu sein schien. Deswegen ist eine der wichtigsten Erkenntnisse „Du kannst es nie wissen…“. Durch all die Bücher, die ich in den letzten Jahren gelesen und die Kurse und Webinare und Seminare, die ich geschaut und besucht habe, habe ich unheimlich viel gelernt. Die Zeit hat sich rasend schnell entwickelt und wie so oft bereue ich eigentlich nur die Chancen, die ich nicht genutzt habe.

Braucht man Mut? Ja, natürlich braucht man Mut. Aber all das, was Du dir wünschst wartet auf der anderen Seite der Angst. Du wirst Unkenrufe aushalten müssen und vielleicht werden auch viele deinen Weg nicht verstehen. Aber am Ende zählt nur das, was dich glücklich macht…

Was ich anders machen würde

Man soll nicht über verschüttete Milch klagen, sagen die Chinesen. Sollte man wirklich nicht. Aber trotzdem würde ich einiges anders machen, wenn ich nochmal die Chance hätte. Ich würde z.B. viel eher die Bücher von Robert Kiyosaki (Rich dad, poor Dad) und Bodo Schäfer (Die Gesetze der Gewinner) lesen. Mit passivem Einkommen würde ich mich viel eher bechäftigen, mehr Marketing konsequent umsetzen und nicht so vieles beginnen, sondern eines ordentlich durchziehen.

Ich würde mich viel eher mit Mindset-Arbeit, Fokussierung etc. beschäftigen und dann hätten sich vielleicht manche Dinge vielleicht auch anders entwickelt (siehe „Über mich“).

Ich wäre mehr gereist und hätte viel eher den Mut zu den großen Zielen gehabt. Damals habe ich immer gedacht, man wird blöd angekuckt, wenn man als Frau allein reist. Heute weiß ich, dass es ein Zeichen von Stärke gewesen wäre, nicht von Schwäche.

Vor einiger Zeit habe ich mich noch geärgert, dass mir damals 2009 niemand gesagt hat, dass ich nicht hätte kündigen müssen, sondern meinen Beamtenstatus auch 12 Jahre hätte Ruhe lassen können und mir die Option offen gehalten hätte, zurückzukehren. Aber wer weiß, vielleicht hätte ich dann aus scheinbaren Sicherheitsgedanken heraus eine falsche Entscheidung getroffen. Jetzt ist die Tür zu und das ist gut so. Zurück blicken ist nie eine Lösung. Wie heißt es so schön „Setz kein Fragezeichen hinter eine Sache, hinter die das Schicksal einen Punkt gesetzt hat.“.

Mein Apell an dich

Mein Weg ist bestimmt nicht geradlinig und viele denken wahrscheinlich „oh mein Gott“. Trotzdem kann ich nur an dich appellieren „es gibt immer einen Weg“. Glaube an dich und deine Stärke, auch wenn du sie vielleicht gerade nicht siehst. Und gerade wenn Geld ein Problem ist, melde dich bitte bei mir, wir finden einen Weg. Oder wenn Du nur mal frischen Input von außen brauchst, der dir eine faire Chancen-Risiken-Abwägung gibt, rufe mich an. Lass dich nicht von den Unkenrufen in deiner Umgebung unterkriegen. Du bist nicht gefangen im Jammertal. Auch nicht als alleinerziehende Mutter. Du hast auch keinen Rosenkrieg nötig. Und wenn Du dich selbstständig machen willst – wir finden einen Weg. Es gibt ganz viele Möglichkeiten, unkompliziert nebenbei zu beginnen.

Was auch immer – denke bitte positiv. Lass dich nicht unterkriegen. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die Welt ein Stück besser wäre, wenn mehr Frauen und Mütter an ihre Stärke glauben würden. Ein solides finanzielles Fundament ist eine gute Basis dafür. Das geht auch mit wenig Geld.

Gib das, was dir wichtig ist, nicht auf, nur weil es nicht einfach ist.

Please follow and like us:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere