Bonität - das unbekannte Wesen

In meinem letzten „Wissen am Mittwoch“-Post auf Instagram hatte ich es angekündigt – ich schreibe nochmal einen Artikel zur Bonität. Viele hören den Begriff immer wieder, aber was sich eigentlich dahinter verbirgt, ist manchmal gar nicht so leicht herauszufinden.

Das Thema „Bonität“ wird immer für dich interessant, wenn Du von jemanden Geld oder Leistungen haben willst.

Was ist eigentlich „Bonität“?

Bonität ist die Einschätzung eines Dritten über deine Zahlungswilligkeit und deine Zahlungsfähigkeit. Also ob Du deine Schulden zurück zahlen kannst und willst. Man spricht auch von Kreditwürdigkeit. „Bonität“ hat also zwei Komponenten – eine wirtschaftliche und eine persönliche. Es gibt nicht „die eine“ Bonität. Jeder potentielle Gläubiger kann hier zu einer anderen Einschätzung kommen. Deine Bonität wird auch nicht nur von einer Bank bestimmt, sondern auch von Onlinehändlern, Telefonanbietern, Vermietern etc. – also vielen, mit denen Du so genannte Dauerschuldverhältnisse eingehst.

Der Begriff leitet sich vom latainische „bona“ = Vermögen bzw. „bonita“ = Vortrefflichkeit ab.

Deine Bonität bestimmt in der Regel, ob Du überhaupt als Geschäftspartner akzeptiert wirst und wenn ja, welche Konditionen Du erhälst.

Wie deine Bonität genau bestimmt wird, bleibt meist ein Geheimnis dessen, der sie ermittelt. Ich gebe dir trotzdem ein paar Insidertipps aus meiner Zeit als Prüferin in der Bankenaufsicht.

Wie wird „Bonität“ gemessen?

Die Bonität wird anhand einer ganzen Reihe von persönlichen und wirtschaftlichen Daten ermittelt. Der Sachbearbeiter gibt sie in ein sog. Ratingsystem ein. Dieses ermittelt anhand deiner Daten eine Wahrscheinlichkeit dafür, dass Du deine Schulden zurück zahlen wirst. Zum Rating schreibe ich mal noch einen separaten Artikel. Hier sei nur so viel gesagt:

Ratingsysteme sind hochkomplexe mathematische Modelle. Anhand großer Datenmengen der Vergangenheit wurden Zusammenhänge bei bestimmten Merkmalen ermittelt. Also wenn A,B,C… in Kombination auftreten, sind die Kredite in der Vergangenheit soundso häufig ausgefallen. Man spricht u.a. von Korrelationen von Merkmalen.

Zum ersten Verständnis reicht es zu wissen, dass sich deine Bonität aus zahlreichen Merkmalen der Vergangenheit und der Zukunft zusammen setzt.

Das Ratingsystem ermittelt eine sog. Ausfallwahrscheinlichkeit, also eine Wahrscheinlichkeit dafür, wie groß die Chance ist, dass der Geldgeber sein Geld zurück oder der Vertragspartner seinen Vertrag erfüllt bekommt. Und wir reden hier in der Regel nicht von 50 – 50. Meist gibt es eine Skala mit 15 bis 20 Klassen dieser Wahrscheinlichkeiten, die sich teilweise in Nachkommastellen unterscheiden.

Für die Profis: die Ausfallwahrscheinlichkeit wird auch als PD (probability of default) bezeichnet. Daneben werden auch die Sicherheiten bewertet. Hier wird ermittelt, welcher Verlust bei Verwertung entstehen würde. Man spricht von einer LGD (loss given default).

Welche Merkmale fließen ein

Um deine Bonität zu bestimmen, verwendet die Bank sowohl persönliche Daten wie Familienstand, Wohnort, Wohnsituation, Anzahl der Kinder, Alter als auch wirtschaftliche Daten. Zu den wirtschaftlichen Daten zählen dein Zahlungsverhalten der Vergangenheit, dein Einkommen, deine sonstigen Verbindlichkeiten etc. Auch die Anzahl deiner Konten und Kreditkarten fließen mitunter ein. Außerdem wird eine Haushaltsrechnung erstellt, bei der deine Einnahmen und deine Ausgaben gegenüber gestellt werden.

Ebenso spielt es eine Rolle, ob du häufig Kredite anfragst.

Selbstverständlich werden auch sog. Negativmerkmale wie Mahn- und Inkassoverfahren, eidesstattliche Versicherungen, Insolvenzverfahren, Haftanordnungen etc. abgefragt. Diese sind auch in der Regel als KO-Kriterium zu sehen und können regelmäßig nicht geheilt werden.

Welche Merkmals-Kombination bei welcher Bank die beste ist, darf ich leider nicht verraten. Aber eines ist auch sicher. Der Sachbearbeiter, der eure Kreditanfrage annimmt, weiß es auch nicht. Er hat zwar wahrscheinlich ein Gefühl dafür, denn Ratingsysteme werden ja schon seit vielen Jahren eingesetzt. Wie es aber mathematisch genau funktioniert, darf er nicht wissen. Dafür gibt es eine zweite Abteilung in der Bank, die letztendlich über euren Kreditantrag entscheidet (Marktfolge).

Für die Bank spielt es übrigens nicht nur eine Rolle, wie wahrscheinlich es ist, dass sie ihr Geld zurück bekommt. Sondern sie bewertet auch, was sie bekommt, wenn es schief geht. Dafür muss dein verfügbares Einkommen z.B. deutlich über den Pfändungsfreigrenzen liegen. Und bei einer alleinerziehenden Mutter mit zwei Kindern beträgt diese aktuell 1.709 EUR. D.h., selbst bei einem Nettoeinkommen von 1.800 EUR wäre für die Bank nicht viel zu holen und daher kriegst du sehr wahrscheinlich keinen Kredit. Warum das trotzdem gut ist, verrate ich weiter unten.

Wie Du deine Bonität garantiert ruinierst

Manche Merkmale kannst Du schlicht und einfach nicht beeinflussen. Du wirst z.B. nicht erfahren, wenn deine Wohngegend als schlecht eingestuft ist. Oder dein Berufszweig. Deinen Familienstand solltest du auch nicht nur ändern, um einen Kredit zu bekommen. Es gibt aber ein paar Punkte, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit deine Bonität ruinieren:

  • Rücklastschriften – also Lastschriften, die mangels Deckung deines Kontos abgewiesen werden. Sie sind ein KO-Kriterium. Hier werden i.d.R. die letzten 36 Monate deiner Kontohistorie betrachtet.
  • ungenehmigte Überziehungen – also wenn Du – ohne Dispo – unter Null rutschst oder mehr als deine Dispo-Linie in Anspruch nimmst
  • Zahlungsschwierigkeiten in der Vergangenheit – hattest Du in der jüngeren Vergangenheit Kredite, die Du nicht ordnungsgemäß bedient hast, hast Du i.d.R. keine Chance auf einen neuen Kredit
  • ständiger Jobwechsel – wird als Zeichen der Unzuverlässigkeit gewertet
  • ständige Ausnutzung des Dispos – ist ein Zeichen dafür, dass Du nicht mit Geld umgehen kannst
  • laufende Mahnverfahren und alles was danach kommt – hier hast Du schon bewiesen, dass Du unzuverlässig bist

Wie gesagt, Bonität ist nichts Feststehendes. Du trägst durch dein Verhalten sehr viel dazu bei. Wenn Du dir die Tipps, die ich dir hier in meinem Blog gebe, zu Herzen nimmst, kannst Du sehr viel für deine Bonität tun.

Vielleicht noch ein paar Worte dazu, welche Rolle die ominöse Schufa© bei der Feststellung deiner Bonität spielt. Es ist korrekt, dass die Schufa© ebenfalls anhand einiger Merkmale einen sog. Score ermittelt. Bei manchen Anbietern beruht die Einschätzung deiner Bonität auch darauf. Auch Banken fragen ihn regelmäßig ab. Was aber definitiv nicht stimmt, ist, dass der Schufa-Score© in die internen Ratings der Banken einfließt. Ich schreibe später nochmal einen separaten Artikel dazu.

Was kannst Du tun, um deine Bonität zu verbessern?

Der wichtigste Tipp von allen ist – überlege sehr genau, ob Du überhaupt einen Kredit brauchst. Die allermeisten Kredite heutzutage sind völlig unnötig und machen dir nur das Leben schwer. Lies dazu auch mal meinen Artikel zu den Risiken der Null-Prozent-Finanzierung.

Ich kann nachvollziehen, dass Du dein Haus finanzierst. Aber alle Konsumentenkredite sind in der Regel unnötig.

Wenn Du gut mit Geld umgehen kannst, brauchst Du auch keinen Dispo. Im Normalfall benötigst Du auch keine Kreditkarte, schon gar nicht mehrere.

Rücklastschriften sollten ein absolutes No-go sein. Behalte deine Zahlen im Blick und achte immer darauf, dass dein Konto ausreichend Deckung aufweist.

Wenn Du einen Kredit benötigst, um z.B. eine Selbstständigkeit oder eine Investition zu finanzieren, mache bitte bevor Du das erste mal bei der Bank anfragst einen sehr genauen Plan und bereite dich auf mögliche Fragen gut vor. Kenne deinen Plan in- und auswendig. Betrachte das Bankgespräch als Vorstellungsgespräch.

Achte darauf, dass Du nur „Konditionenanfragen“ und keine „Kreditanfragen“ stellst. Kreditanfragen verschlechtern deine Bonität meistens.

Sorge dafür, dass Du absolut zuverlässig bist. Wenn Du eine Verbindlichkeit eingehst, halte dich 100% an die Abmachungen. Das gilt übrigens auch für alle anderen Bereiche des Lebens.

Wenn deine Kreditanfrage abgelehnt wird, betrachte die Bank nicht als Feind. Frage höflich nach, warum. Gehe dann in die Analyse. Und vor allem – schließe nicht aus, dass die Bank dir mit der Absage einen Gefallen getan hat.

Wenn Du einen Kredit bedienen könntest, könntest Du diesen Betrag auch monatlich sparen. Überlege also, ob die Anschaffung wirklich notwendig ist, ob Sie genau jetzt stattfinden muss und ob sparen nicht die sinnvollere Variante wäre.

Wie ich dir helfe

In Sachen Bonität & Kredit gibt es jede Menge zu beachten. Wenn Du Hilfe brauchst, schreibe mir einfach. Schreibe mir auch, wenn Du dich in eine Schuldensituation hineinmanövriert hast und allein nicht mehr raus kommst. Oder wenn Du das Gefühl hast, in Sachen „mit Geld umgehen“ etwas Nachhilfe zu brauchen – melde dich bitte auch.

Hier geht’s lang…

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