Ich weiß nicht, was ich will

Wer kennt ihn nicht – diesen Satz: „Ich weiß nicht, was ich will“. Der, der unendliche Runden im Kopf drehen kann. Aber sind wir ehrlich: Du weißt es. Sehr wahrscheinlich zumindest. Du traust dich nur nicht, es zu Ende zu denken. Oder es auszusprechen. Oder aufzuschreiben.

In einer stillen Stunde, wenn Du dich mal kurz vom alltäglichen Stress ausklinkst – dann weißt Du es. Du glaubst nur nicht daran, dass Du es erreichen kannst. Oder dass es „dir zusteht“ (ohoh, Glaubenssatz-Alarm!). Du zerbrichst dir den Kopf, was die Leute sagen. Du hältst dich selbst klein. Du liebst deine Gewohnheiten. Du versteckst dich – vielleicht vor deiner wahren Größe. Aber weil das alles irgendwie uncool klingt, sagst Du oder denkst Du lieber „ich weiß nicht, was ich will.“

Ok, vielleicht weiß man manchmal wirklich nicht, was man will. Dann kann man aber einen einfachen Trick anwenden. Du kennst sicher „Kopf oder Zahl“. Nimm eine Münze, gib jeder Seite eine Bedeutung (also ein Ergebnis, was in Frage kommt) und dann wirf die Münze. Intuitiv wirst Du auf eine Seite etwas mehr hoffen und schon weißt Du, was Du wirklich willst.

Nur, weil wir uns mit unserer sogenannten Realität arrangiert haben, ist sie noch lange nicht das, was wir wirklich wollen. Ein Klassiker dabei ist der Gedanke „ich komme schon irgendwie über die Runden“. Mag sein. Aber ist es wirklich das, was Du willst? Willst du wegen jeder mittelgroßen Extra-Ausgabe in Schweißausbrüche verfallen? Regelmäßig wegen Geld streiten? Willst Du dich mit „second best“ zufrieden geben, weil das alles irgendwie so teuer geworden ist? Werden die „Runden“ über die Du kommst, langsam kleiner, weil die Preisentwicklung im Moment einfach unfassbar ist? Willst Du auf dem Sterbebett wirklich sagen „naja, gelebt habe ich nicht wirklich, aber immerhin bin ich über die Runden gekommen“?

Angenommen, du könntest nicht scheitern – wie würdest Du leben?​

Wie würde dein Leben aussehen, wenn es keine Restriktionen gäbe? Was würdest du dir wünschen, wenn Geld nachhaltig keine Rolle spielen würde? Was wäre dir wichtig? All das sind Fragen, die man nicht mal ebenso nebenbei beantwortet. Man muss sich schon bewusst damit beschäftigen wollen.

Klar, kann man auch sein lassen und wie 90% aller anderen Leben. Sich über 90% der gleichen Dinge aufregen, wie alle anderen. 90% der Krankheiten kriegen, die alle anderen auch kriegen. Und so weiter.

Aber man kann eben auch anfangen, sich Themen bewusst zu machen. Du musst ja nicht gleich dein ganzes Leben über den Haufen werfen. Aber du kannst mit kleinen Schritten anfangen. Wenn es dir z.B. wichtig ist, Entscheidungen unabhängig vom Geld zu treffen, kannst Du beim nächsten Restaurantbesuch einfach mal die Preisleiste ausblenden und genau das Essen, was Du wirklich wirklich willst. Und dann kannst Du anfangen, darüber nachzudenken, wie Du dir mehr Geld besorgen kannst und welche Schritte du dafür unternehmen musst.

Geld ist dir nicht wichtig (ohoh, Glaubenssatz-Alarm)? Mag sein. Trotzdem bestimmt es zu 90% dein Leben (lies mal meine Blog-Artikel dazu). Du kannst das Prinzip aber auch auf Gesundheitsthemen übertragen. Auch hier wirst Du nicht von heute auf morgen deine liebgewonnenen Gewohnheiten (auch, wenn Du genau weißt, dass sie dir eher schaden), komplett umstellen. Aber Du kannst heute anfangen, dir eine halbe Stunde Entspannung zu gönnen. Und wenn es dir wichtig ist, findest du die Zeit.

PS: keine Sorge, wenn Du sie nicht findest, dein Körper findet sie irgendwann.

Ich will zwei Dinge, die nicht zusammen passen

Manchmal wissen wir nicht, wie wir uns zwischen zwei Optionen entscheiden sollen und sagen uns, dass uns beides gleich lieb wäre. Wenn wir ganz ehrlich sind, stimmt das meistens nicht. Wir drücken uns nur irgendwie vor der Entscheidung, weil beide Varianten Vor- und Nachteile haben. Und weil wir uns nicht festlegen wollen, was uns wichtiger ist.

Vielleicht helfen Dir noch ein paar Fragen:

  • Warum gibt es die Variante B überhaupt?
  • Was hat B, was A nicht vielleicht auch hat?
  • Was hat A, was B auch hat?
  • Was will ich wirklich tief in meinem Herzen unabhängig von A oder B?
  • Was passiert, wenn ich mich nicht entscheide?
  • Wovor habe ich am meisten Angst?

Keine Entscheidung ist auch eine Entscheidung. Und zwar eine, die Energie kostet und auch die hat Konsequenzen. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann sicher. Indem das Thema z.B. erneut in anderer Form aufploppt.

Ich glaube mittlerweile, es geht darum, sich Dinge bewusst zu machen. Man kann ja alles entscheiden, aber man muss es eben bewusst tun. Nicht unbewusst oder aus Zwängen heraus. Man weiß z.B. dass der ganze Stress einem nicht guttut. Macht man trotzdem weiter? Meistens. Wird es Konsequenzen geben? Sicher. Nimmt man das in Kauf? Ja. Man hat sich ja bewusst dafür entschieden. Das passiert auch nicht einfach so. Man weiß es doch. Selbst wenn man es nicht weiß (was schon recht unwahrscheinlich ist heutzutage), passiert es trotzdem. Und auch da muss man mit den Konsequenzen leben. Das Ergebnis ist also das gleiche. Im zweiten Fall kann man ein bisschen mehr auf das böse Leben, die Umstände, den bösen Chef etc. schimpfen. Ändert aber nichts an der Situation. Und auch nichts an der Ursache.

Hilfreiche Hilfsmittel

Wenn man wirklich nicht weiß, was man will, gibt es noch ein paar Hilfsmittel, wie man es herausfinden kann. Man macht eine sogenannte „Löffel-Liste“. Nimm ein Blatt Papier und schreibe alle die Dinge auf, die du tun und haben willst, bis Du den Löffel abgibst. Schreibe ruhig auch dazu, wie Du gern sein willst. Sei kreativ, schreibe alles auf, was Dir in den Sinn kommt. Egal, ob du es für realistisch hältst oder nicht. Du gibst damit deinem Gehirn eine Aufgabe, quasi einen Anreiz outside the box zu denken. Es geht nicht um eine Bewertung. Es geht nur um deine Träume und Wünsche. Nimm nicht unbedingt einen Kellnerblock, sondern eher ein A4-Blatt. Mache es konkret. Bleibe nicht an der Oberfläche. Blende mal all deine Sorgen, Ängste und Befürchtungen aus. Schreibe nicht einfach „Kreuzfahrt“, sondern welches Schiff, welche Route, welcher Zeitraum etc.

Im 2. Schritt kannst du dann an der Umsetzung arbeiten. Um bei der Kreuzfahrt zu bleiben, kannst Du anfangen herauszufinden, was sie kostet. So, wie du sie haben willst. Danach fängst du dann an, dich zu fragen, wie es geht und welche Schritte dafür notwendig sind. Bist du nicht bereit, diese Schritte zu gehen, kannst du die Kreuzfahrt von deiner Löffelliste streichen, denn dann willst du sie nicht wirklich aus deinem Inneren. Geht dir das bei all deinen Punkten so, fange von vorne an und überlege nochmal, was du wirklich wollen würdest (und nicht alle anderen oder nichts, was irgendwie cool klingt oder Anerkennungspunkte im Freundeskreis bringt etc.).

Du kannst auch ein zweites Hilfsmittel nutzen. Nimm dazu wieder ein A4-Blatt und schreibe auf die linke Seite untereinander all die Punkte, die du im Moment hasst in deinem Leben. Alle. Sie müssen dir nicht peinlich sein und du kannst die Liste auch ganz allein nur für dich machen, musst sie nie jemanden zeigen. Dann kehrst du einfach alle Punkte ins Gegenteil um und schreibst sie rechts daneben. Steht also links z.B. „früh aufstehen“, schreibst du rechts „aufstehen, wann ich will“. Du musst nicht nachdenken, einfach machen. Steht links „zu wenig Geld“, schreibst du rechts „viel Geld“ und so weiter. Dann arbeitest Du nur noch mit der rechten Seite und fragst dich, was das konkret für dich bedeutet. Schreibe zu jedem Punkt etwas auf. „Viel Geld“ kann z.B. bedeuten 6 Monatsgehälter als Rücklage für Unvorhergesehenes, ein 6-stelliges Depot, welches Dividenden ausschüttet, 500 EUR mehr Monatseinkommen etc. Du weißt, was ich meine. Es muss zu dir und deinen Träumen und Wünschen passen. Und dann analysierst Du wie bei der Löffelliste die Schritte, die notwendig sind, um es zu erreichen. Bist du nicht bereit oder noch nicht bereit, die Schritte zu gehen, ist es dir (im Moment) nicht wichtig genug. Du hasst es dann wahrscheinlich auch nicht so sehr, wie du ursprünglich angenommen hast. Du hättest es nur gern anders, wenn kein Aufwand damit verbunden wäre. Aber das reicht nicht, um in die Umsetzung zu kommen. Du kannst es also gedanklich erstmal streichen. Geht es dir auch wieder so wie bei der Löffelliste, fange nochmal von vorne an.

Es ist nicht schlimm, wenn man mehrere Runden drehen muss. Ganz oft sind unsere wahren Träume und Wünsche vom Alltag und den Rahmenbedingungen überlagert. Und unsere Glaubenssätze halten uns im „Ist“ gefangen. Aber sich das bewusst zu machen, ist der erste Schritt zur Änderung…

Zu wissen, was man will, ist übrigens auch elementar dafür, wenn man Anlage- bzw. Investitionsentscheidungen treffen will. Jeder halbwegs erfolgreiche Investor verkauft dir seine Assetklasse (also das, worin er investiert) als das Nonplusultra. Aber nicht jedes Asset ist für jeden geeignet und wenn du nicht weißt, was du willst, kannst du auch nicht wissen, ob das Asset richtig bzw. geeignet für dich ist.

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