Streit um's Geld

Streit um’s Geld ist einer der häufigsten Trennungsgründe. Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, aber die meisten sagen, dass es in 60 bis 80% der Beziehungen Stress wegen Geld gibt. Im heutigen Artikel geht es erstmal allgemein darum, warum Geld so oft Beziehungsstress verursacht. In weiteren Artikel werde ich euch dann Lösungen anbieten.

Geld als Reizthema

Geld ist in Deutschland ein Tabuthema. „Über Geld redet man nicht“ ist ein weit verbreiteter und tief verinnerlichter Glaubenssatz. Viele Menschen reden lieber über ihre sexuellen Vorlieben als über ihr Einkommen. Warum das so ist? Weil Geld ein hoch emotionales Thema ist. Menschen definieren sich und ihren Wert über ihr Geld. Und nirgends kann man die Fassade schöner aufrecht erhalten, als wenn man beim Thema Geld im Unklaren bleibt. „Geht doch niemanden was an“. Ja, das stimmt. Einen Dritten geht es vielleicht wirklich nichts an, wie Du finanziell aufgestellt bist.

Das Thema Geld wird mit „Entblößung“ gleichgesetzt. Aus „was ich verdiene“ wird schnell „was ich bin“ bzw. „was ich wert bin“.

Und ja, ich wäre naiv, dir glauben machen zu wollen, dass Menschen andere nicht nach Ihren Einkommen bewerten und verurteilen. Ist zwar nicht schön, lässt sich aber leider nicht ohne Weiteres ändern. Darum geht es aber auch nicht. Deinen Nachbarn, deinen Kollegen, deinen Freunden kannst du erzählen, was du willst. Hier geht es nur darum, was ihr als Paar, als Einheit, miteinander treibt.

Ticken Frauen und Männer anders beim Geld?

Definitiv ja. Nahezu alle Studien belegen, dass Geld für Frauen und für Männer eine völlig unterschiedliche Bedeutung hat. Der Psychologe Rolf Haubl vom Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt beschreibt, dass Geld für Männer ein Symbol für persönlichen Selbstwert und beruflichen Erfolg ist. Für Frauen dagegen stehe es für Sicherheit und Selbstständigkeit. Für Männer sei Geld ein Beziehungsthema, etwas, dass der Beziehung einen Rahmen gibt. Frauen hingegen blenden das Thema oft völlig in der Beziehung aus. Sie wollen sich damit nicht beschäftigen und finden, dass Geld und Liebe nicht zusammen gehören.

Für mich sind die beiden Themen jedoch untrennbar verbunden. Warum, zeige ich im weiteren Verlauf.

Wann Paare über Geld streiten

Die Gründe, warum Paare über Geld streiten, lassen sich auf vier Themenbereiche reduzieren:Streit um's Geld

Einer verdient mehr als der andere

In vielen Beziehungen ist es so, dass einer deutlich mehr verdient als der andere. Meist ist der Mann der Besserverdiener, manchmal aber auch die Frau. Manchmal bestehen die Unterschiede von Beginn an, manchmal ergeben sie sich im Zeitablauf. Häufig ist dies der Fall, wenn ein Kind geboren wird. Deutliche Unterschiede in den Einnahmen bergen enormes Konfliktpotential.

Unterschiedlicher Umgang mit Geld

Das ist ein Punkt der sich oft relativ schnell in einer neuen Beziehung zeigt, meist aber großzügig ignoriert wird. In der Praxis zeigt sich aber, dass hier ganz viel Sprengstoff liegt. Insbesondere, wenn sich jemand, der eher geizig ist und jemand, der eher großzügig ist, zusammen tun.

Auch unterschiedliche Definitionen von Ausgeben, Sparen und Investieren bergen jede Menge Konfliktpotential.

Kontrolle durch Geld

Dieser Punkt hat zwei Aspekte. Der erste hing eng mit den o.g. Verdienstunterschieden zusammen. Häufig ist es so, dass der, der mehr verdient, die Beziehung kontrolliert. Derjenige bestimmt. Oder der Schlechterverdienende muss sein Ausgaben rechtfertigen. Wird quasi kontrolliert.

Aber über Geld kann man den Partner auch an sich kontrollieren. Wofür und wo gibt er Geld aus? Warum? Belügt oder betrügt er mich?

Es ist zu wenig Geld da

Insbesondere in vielen Familien ist die Haushaltskasse ständig leer oder reicht gerade so zum Überleben. Je weniger Geld da ist, desto größer wird seine Bedeutung. Existenzängste entstehen und die Situation schaukelt sich oft hoch. Man wird reizbarer. Aus 50 EUR wird auf einmal eine Scheidungsdrohung.

In der Praxis ist es sogar oft so, dass nicht ein Grund isoliert auftritt, sondern meist findet man alle vier Gründe. Häufig bedingt eines das andere.

Doch in meinen Augen reden wir hier nur über Symptome. Es geht nicht um’s Geld. Geld ist ein Ergebnis. Und genau deswegen ist auch mein Untertitel der Webseite „… es geht um so viel mehr als Geld.“

Worum es wirklich beim Streit um’s Geld geht

Bei Beziehungsstress um Geld geht es nicht um Geld. Zahlreiche Psychologen bestätigen das. Ich habe es oben angedeutet. Geld ist emotional. Geld ist machtvoll. Und Geld ist wichtig. Insbesondere Frauen neigen dazu, das zu negieren. Beziehungsweise auszublenden. Das ist aber einer der Hauptursachen, wenn es Streit in der Beziehung gibt.

Geld bestimmt massive Bereiche in deinem Leben

Geld bestimmt so viele Bereiche in deinem Leben. Und so lange du nicht finanziell frei bist, triffst du die meisten Entscheidungen in deinem Leben indirekt über den Faktor Geld. Ob du das anerkennen willst oder nicht. Du wohnst nicht dort, wo und wie es dein absoluter Traum wäre, sondern wie es das Budget her gibt. Beim Reisen entscheidet ebenfalls dein Budget. Solange du nicht finanziell frei bist, arbeitest du, um Geld zu verdienen. Und so weiter … das ist alles nicht schlimm, ist ja bei mir noch nicht anders. Aber man muss sich dessen bewusst sein. Geld ist wichtig. Und Geld bestimmt massiv dein Leben.

Beziehungsstress wegen Geld

Gerade bei neuen Beziehungen ist oft kein Platz für Geldgespräche. Unterschiede werden großzügig ignoriert und im Zuge der allgemeinen Verliebtheit redet man sich ein, dass sich das schon irgendwie reguliert. Man will ja das junge Glück nicht gleich wieder gefährden.

In meinen Augen scheitern aber genau daran die meisten Beziehungen. Wenn man bei so einem wichtigen Thema wie Geld keine gemeinsame Basis hat, geht das Experiment früher oder später schief. Glaub‘ mir, ich weiß, wovon ich spreche. Man macht sich was vor. Unterschiede im Geldverhalten lassen sich nur in wenigen Fällen korrigieren. Und das, was man unter Einsatz der rosaroten Brille übersieht, ist genau der Grund, warum es später so oft Streit um’s Geld gibt. Und warum Beziehungen eben am Geldthema scheitern.

Auch wenn im 7. Himmel kein Platz für Geldprobleme ist – der Absturz oft den Boden der Tatsachen kommt meistens.

Natürlich sollst Du nicht beim 1. Date über Geldprobleme reden. Aber das Thema ernst nehmen. Wachsam sein. Wenn du schon in den Anfängen einer Beziehung fest stellst, dass ihr in diesem Bereich völlig unterschiedlich tickt – sprich es an. Wenn ihr es klären könnt – alles gut. Seid ehrlich zueinander. Aber bitte, bitte setze für einen Moment die rosarote Brille ab…

Warum es also wirklich geht

Wie gesagt, Geld ist nur ein Symptom. Es geht um Anerkennung. Um Aufmerksamkeit. Wertschätzung. Um Verantwortung. Vertrauen. Macht. Und Ziele. Ja, Geld ist auch ein Anzeiger für den Wert einer Beziehung. Liebe ist ein breites Thema und wie bei so vielem gibt es kein richtig und kein falsch. Menschen definieren und empfinden Liebe völlig unterschiedlich. Für mich zum Beispiel gehören Liebe und Vertrauen zusammen. Und Geld hat eben ganz viel mit Vertrauen zu tun.

Es geht aber auch um Ehrlichkeit. Ehrlichkeit sich selbst gegenüber und dem anderen gegenüber.

Geld hat viel mit Bewusstsein zu tun. Reichtum und Armut sind beides Schöpfungen des Geistes. Dazu aber ein andermal mehr.

Geld vorgeschoben?

Bei Beziehungsstreitigkeiten wird Geld oft vorgeschoben. Formell wird sich gestritten um 100 EUR hin oder her wegen Schuhen oder Konsolenspielen. Tatsächlich steckt aber was anderes dahinter. Es geht um Gönnen. Um Wertigkeit.

Aber auch Bewertung und Wertschätzung spielen eine große Rolle. Gerade, wenn aus einem Paar eine kleine Familie wird, ändert sich die Situation oft dramatisch. Du als Mutter bleibst daheim, kriegst nur noch Elterngeld, setzt aus im Job. Nach der Elternzeit kannst du oft nur Teilzeit arbeiten. Meist fehlt ab der Geburt ein erheblicher Teil des Einkommens. Und dann geht es los. Ist bezahlte Arbeit mehr Wert als Kinderbetreuung und Haushalt? Wer muss was wie ausgleichen? Haben wir ein Familieneinkommen? Und wenn nicht, sind wir dann eine Familie? Die Fragen sind bewusst provokant gewählt. Und jede möge für sich entscheiden, ob sie sie sich beantworten will.

Der Schrei nach mehr

Oft ist der Streit um’s Geld aber auch nur ein Ruf nach „Mehr“. Nicht mehr Geld. Mehr Liebe. Zuwendung. Zärtlichkeit. Geld ist wieder nur der Auslöser. Der Verursacher „sitzt“ ganz woanders. Bei Streit um’s Geld leidet oft auch das Liebesleben. Derjenige, der sich benachteiligt fühlt, reagiert mit Liebesentzug. Der eine entzieht Geld, der andere Zärtlichkeiten. Aus der Geldkrise wird häufig eine Sexkrise. Auch hier steckt oft die fehlende Wertschätzung dahinter.

Die Sache mit dem Vertrauen

Wir wissen ja, Geld lebt überhaupt nur von Vertrauen (hier habe ich einen ganzen Artikel dazu). So, wie ein Paar mit Geld umgeht, sagt aber eben auch viel darüber aus, welches Vertrauen man zueinander hat. Das ist eben auch einer der Gründe, warum man sich am Anfang einer Beziehung noch ein wenig bedeckt hält. Das Vertrauen muss ja erst wachsen. Das ist auch völlig in Ordnung und das würde ich auch nicht anders machen.

Aber spätestens, wenn man sich mit ernsthafteren Gedanken an die Beziehung trägt, über „mehr“ nachdenkt, sollte auch das Thema Geld eine Rolle spielen. Wenn man hier zögert, ist das ein Indiz dafür, dass die Beziehung doch noch nicht so weit ist. Ist ja nicht schlimm. Man muss ja nichts überstürzen. Aber glaube mir, wenn sie daran scheitern sollte, ist es besser, sie scheitert jetzt als dann, wenn es ernsthafte Auswirkungen hat. Jetzt tut es vielleicht weh. Und ist enttäuschend. Später hat es in den meisten Fällen Drama-Potential.

Wie Geld die Liebe kostet

Und wenn wir über Vertrauen reden, reden wir auch über einen der Kernpunkte, warum Geld die Liebe kostet. Der ständige oder häufige Streit um’s Geld geht nämlich fast immer zu Lasten der Liebe. Das Vertrauen sinkt. Die Zuneigung lässt nach. Stress dominiert die Beziehung. Kleinigkeiten schaukeln sich hoch. Und das Geldthema frisst die Liebe förmlich auf.

Kann man das Retten? Ich sage, es ist eine Frage des Wollens. Nicht des Können. Die meisten der oben genannten Punkte lassen sich in meinen Augen klären. Insbesondere, wenn man die Emotionen mal raus nimmt. Hier kann ein neutraler Dritter meist sehr gut helfen. Die Frage ist, was der Streit um’s Geld wirklich zeigt. Und was man sich damit eingesteht…

Ich bin aber eben auch fest überzeugt davon – dass, wenn man in diesen Punkten ehrlich gegenüber sich selbst ist, die allermeisten Rosenkriege vermieden werden könnten.

Also, wenn Du in deiner Beziehung steckst, in der es häufig Streit um’s Geld gibt, lade dir einfach meine kostenlose Checkliste herunter und betreibe ehrliche Ursachenforschung:

Streit ums Geld_Fragebogen (einfach anklicken und das pdf herunter laden)

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4 Gedanken zu “Wie Geld die Liebe kostet”

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