Geld ineiner Beziehung

In den letzten beiden Artikeln ging es ja schon um das Thema „Finanzen in einer Beziehung“. Oft gibt es darum Streit und bis zu 90% aller Trennungen sind in irgendeiner Form auf ein finanzielles Thema zurückzuführen. Im Artikel „Wie Geld die Liebe kostet“ habe ich euch ja beschrieben, warum wir in einer Beziehung  über Geld streiten und was meist wirklich dahinter steckt. Im 2. Artikel „Die Sprache des Geldes und der Liebe“ ging es darum, warum wir unbedingt über Geld reden sollten.

Heute schauen wir uns mal ein paar ganz praktische Punke zum Thema „Geld in einer Beziehung“ an.

Liebe & Geld oder: Das liebe Geld

Es gibt unzählige Gründe, warum es in Beziehungen immer wieder beim Geld kracht. Studien belegen auch, dass die Wahrscheinlichkeit des Streits steigt, wenn ein Kind oder Kinder da sind. In meinem Augen und nach meinen Erfahrungen lässt sich die Ursache immer wieder auf einen Punkt herunter brechen:

Wir sind nicht ehrlich. Und wir reden nicht.

Ich weiß, Geld ist emotional. Geld ist Macht. Geld ist ein Symptom.

Wir verknüpfen unseren Selbstwert mit dem Geld. Der Blick auf’s Konto ist intimer als der Blick unter’s T-Shirt. Du gehst wahrscheinlich eher mit jemanden ins Bett als dass Du mit ihm über Geld sprichst…

Für mich ist das Thema Geld ein Indikator für die Beziehung. Lege ich hier die Karten nicht offen auf dem Tisch, ist die Beziehung wahrscheinlich nicht soweit wie sie in anderen Bereichen zu sein scheint. Es geht um Vertrauen. Es geht darum, jemanden in sein tiefstes Inneres zu lassen. Um Kontrolle geht es auf keinen Fall. Aber um Fairness. Um Ehrlichkeit. Und auch um Wertschätzung.

Wann Geld „ernst“ wird

Spätestens wenn es darum geht, zusammenzuziehen, sollte man VORHER das Thema Geld ganz ehrlich miteinander betrachten. Ihr wollt eure Leben zu einem hohen Grad miteinander vereinen – macht es da nicht Sinn, ehrlich miteinander umzugehen? Und wenn ihr – oder einer von euch – feststellt, dass ihr das (noch) nicht wollt, dann zwingt euch doch keiner. Wie gesagt, Geld ist mega intim. Und es kann doch sein, dass ihr als Paar noch nicht soweit seid. Völlig in Ordnung. Aber sprecht darüber. Ohne Streit. Ohne Vorwürfe. Und ohne gleich alles in Frage zu stellen. Wenn ihr hier keine gemeinsame Basis findet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ihr zu den 90% gehört.

Ist das einfach? NEIN. Lohnt es sich? Ja, definitiv.

Wie geht ihr vor?Kostenfreies Erstgespräch Yvonne Schrader

Legt die Karten auf den Tisch.

Wer verdient was?

Welche Kosten entstehen in einem gemeinsamen Leben?

Wer hat welche Kosten, die den anderen nichts angehen?

Was wollt ihr? Wie wollt ihr Leben?

Was wollt ihr gemeinsam bezahlen?

Habt ihr gemeinsame Ziele?

So ein Gespräch führt man nicht zwischen Tür und Angel. Wahrscheinlich wird es auch nicht bei einem „Termin“ bleiben. Macht euch etwas aus und geht entspannt in den „Termin“. Betrachtet es ruhig als Geschäftstermin. Nehmt vielleicht mal einen Tag an einem Wochenende oder einen Brückentag oder auch einen Urlaubstag. Sorgt für möglichst wenig Ablenkung und macht es euch schön. Es geht schließlich um eure gemeinsame Zukunft. Im Wesentlichen wird euer ganzes Leben daran hängen. Damit ist, glaube ich, klar, welche Wichtigkeit man so einem Termin geben sollte.

Seid ehrlich miteinander. Und seid fair. Macht euch keine Vorwüfe, sondern trennt Fakten von Emotionen.

Die Modelle

Modelle geben meist einen gewissen Rahmen. Etwas, an dem man sich orientieren kann. Grundsätzlich gibt es im Bereich Geld und Beziehung nur drei Modelle:

  • das Zwei-Konten-Modell – jeder behält sein Konto und man stimmt ab, wer was bezahlt
  • das Drei-Konten-Modell – jeder hat ein eigenes Konto und es gibt 1 gemeinsames
  • das Ein-Konto-Modell – wo alles in einen Pott fließt und abgeht

Eines vorweg: es gibt kein richtig und kein falsch. Es gibt nur „passt“ oder „passt nicht“. Eine derartige Entscheidung ist auch nicht ununstößlich. Man kann auch erstmal mit einem Modell starten – z.B. Zwei-Konten-Modell – und dann wechseln.

Welches Modell das richtige für euch ist, hängt von jeder Menge Faktoren ab. Das kann man wirklich nur klären, indem man ehrlich und fair zueinander ist. Jedes Modell hat auch Vor- und Nachteile. Es kommt darauf, wie ihr zu dem Thema steht. Tauscht euch aus, was „fair“für euch bedeutet. Man kann nicht sagen, dass eine der Varianten immer die Beste ist. Wer das behauptet, ist einfach unflexibel im Denken.

Es kommt doch auch darauf an, in welcher Lebensphase ihr euch befindet. Ein Studentenpaar Anfang 20 hat doch ganz andere Rahmenbedingungen als eine Patchwork-Familie.

Ein paar Tipps

Ihr könnt es vielleicht nicht mehr hören – aber: klärt das Thema offfen. Rosenkriege, Streit und Stress entstehen, weil Paare das Thema unter den gemeinsamen Tisch fallen lassen. Es gibt auch kein „zu spät“. Selbst wenn ihr das Thema bisher immer vermieden habt – und euch genau deswegen so oft streitet – dann geht es jetzt an. Macht einen Haken an das, was war und schaut nach vorne. Klärt eure Glaubenssätze über Geld. Sprecht auch mal darüber, was eure Eltern euch mitgegeben haben…

50 – 50 oder prozentual?

Auch hier gibt es kein richtig und kein falsch. Tendenziell ist es so, dass bei ungefähr gleichem Einkommen 50 – 50 sinnvoll ist. Bedenkt aber bitte, was passiert, wenn die Einkommen dauerhaft oder länger nicht mehr gleich sind, z.B. wenn Du Elterngeld bekommst.

Prozentual ist in meinen Augen fair, weil dann jeder den gleichen Anteil leistet. Es geht ja nicht darum, warum der eine mehr oder weniger verdient. Das Einkommen ist ja erstmal gesetzt. 400 EUR Mietanteil sind bei 900 EUR netto eben deutlich mehr als bei 2.500 EUR netto. Aber 25% sind 25%. Ganz ehrlich – wenn in einer Beziehung dafür kein gegenseitiges Verständnis herrscht, würde ich ganz andere Fragen stellen…

Ich selbst würde auch eher das 3-Konten-Modell bevorzugen. Bei der ganz ganz großen Liebe vielleicht auch das Ein-Konto-Modell.Fragebogen: Streit um's Geld

Die „Lebens-Kosten“

Unterhalt

Es kommt sicher darauf an, wie euer „Vor-Leben“ bisher verlaufen ist. Wer welche „Verpflichtungen“ mit sich rumschleppt. Auch hier gibt es wieder kein richtig und kein falsch. Ein Diskussionspunkt – wenn Kinder da sind – wird wahrscheinlich Unterhalt sein. In den häufigsten Fällen in Patchworkfamilien muss der Vater wahrscheinlich zahlen und die Mutter bekommt. Klärt für euch, was damit ist. Für mich – und das ist meine ganz persönliche Meinung – wäre es fair, wenn das Geld, was der Vater bezahlen muss, gar nicht erst als Einkommen betrachtet wird. Zieht es ab vom Nettolohn, so als wäre es nicht da. Natürlich unter der Maßgabe, dass er es wirklich an sein Kind zahlt. Andererseits würde ich den Unterhalt, den ich bekomme, zum Familieneinkommen hinzurechnen, denn er ist ja gerade dafür da (unter anderem), die Alltagskosten des Kindes zu begleichen. Geschenke für das Kind des Partners und sonstige Zuwendung würden in meinen Augen eher vom Budget des Partners abgehen. Aber auch das muss man individuell entscheiden, man kann es auch als Gemeinschaftskosten betrachten, wenn man zu einer richtigen Familie geworden ist, auch wenn das Kind vielleicht nicht ständig da ist.

Schulden

Mit Schulden sieht es anders aus. Schulden sind in meinen Augen 100% persönliche Angelegenheit. Wer Mist baut, soll auch allein dafür gerade stehen. Die würden bei mir definitiv aus dem individuellen Budget bezahlt. Wenn es z.B. eine Autofinanzierung ist, dann bleibt alles, wie es ist und das Auto gehört dann dem, der’s bezahlt hat.

Die Zukunft

Macht euch Gedanken darüber, wie eure Zukunft konkret aussehen soll. Meines Erachtens scheitern auch deshalb so viele Beziehungen, weil es keine gemeinsamen Träume gibt. Ein Stück weit spielt hier ja auch immer das Thema „Sparen“ und investieren eine Rolle. Wollt ihr gemeinsam sparen? Was ist euer Ziel? Habt ihr gemeinsame Träume?

Träumt nicht nur. Macht Pläne. Wenn ihr z.B. wisst, dass mit einer kommenden Elternzeit soundsoviel Einkommen wegfällt, dann könnt ihr das vorher kompensieren.

Auch hier müsst ihr wieder eine Lösung finden, die sich für euch beide gut anfühlt.

Und noch ein ganz wichtiger Tipp:

Halte die Regeln schriftlich fest. Glaubt mir, wenn ihr euch trennt, kann sich meist einer von beiden nicht mehr an getroffene Vereinbarungen erinnern. Übernimmt z.B. einer vorrübergehend einen größeren Teil der Kosten und es ist ausgemacht, dass der andere das ab xy ausgleicht, dann haltet das schriftlich fest. MACHT ES! Seid nicht gutgläubig. Bitte. Glaubt mir einfach.

Stress hoch 3 lässt sich vermeiden

Ihr seht also, Stress hoch 3 lässt sich vermeiden, wenn man ehrlich und fair miteinander umgeht. Wenn ihr das Thema Geld einmal geklärt habt, braucht ihr nicht ständig darüber streiten. Und wenn ihr allein nicht zurecht kommt, holt euch Hilfe.

Lasst euch nicht einreden, dass etwas immer so oder so sein muss. Ihr für euch. Das, was sich für beide gut anfühlt. Betrachtet Geld als Freund. Etwas, das euch Energie gibt. Wenn’s euch hilft, gebt dem „Freund“ einen Namen. Nehmt das Thema ernst, aber locker. Seid auch nicht päpstlicher als der der Papst. Großzügigkeit zahlt sich in vielerlei Hinsicht aus.

Wenn ihr Fragen habt, meldet euch gerne…

Beziehungsgrück

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